Das große Zwitschern

Rekrutierung mit 140 Zeichen

Wohl kaum ein anderes Thema bewegt die HR-Branche derzeit so stark wie die neuen Rekrutierungsmöglichkeiten wie zum Beispiel Twitter. Für die einen ist die „140-Zeichen-Rekrutierung“ ein überbewerteter Hype – während die anderen die HR-Branche vor einem grundlegenden Wandel sehen. Die Wahrheit liegt in der Mitte.

Die Zahlen sprechen für sich: 25 Millionen Nutzer weltweit, eine Nutzersteigerung von jeweils über 20 Prozent in den letzten Monaten. Twitter ist in und dies haben auch viele Unternehmen für sich entdeckt. Sie nutzen den Dienst nicht nur aus Imagegründen, sondern als zusätzlichen Rekrutierungskanal. Von Accenture über Intel bis hin zu den Warner Brothers. Sie alle treten via Twitter mit potenziellen Bewerbern in Kontakt.

Dabei ist für Personaler vor allem die spezielle Zielgruppe interessant: Der Durchschnittstwitterer ist jung und medienaffin, ein Viertel der User ist Unternehmer oder Führungskräfte. Zudem werden die erreicht, die über Karriereseiten und Jobportale nur schwer zu adressieren sind: Die Nicht-Suchenden.

In den USA ist Twittern deshalb längst gängige Praxis. Hierzulande steckt der kalifornische Microblogging-Dienst jedoch noch in den Kinderschuhen. Es sollte trotzdem vorsichtig mit der Einschätzung umgegangen werden, dass Twitter nach anfänglicher Begeisterung in der HR-Branche schnell wieder ad acta gelegt wird. Schließlich ist die Zahl deutscher Twitter-Accounts im Juni um 34 Prozent auf 105.000 gewachsen. Auch die Menge der zwitschernden Personaler und Unternehmen steigt stark an: Ob Deutsche Bahn, Otto Group oder Bertelsmann – alle sammeln derzeit erste Erfahrungen mit dem Microblogging-Dienst.

Darüber hinaus müssen viele der deutschen HR-Abteilungen sich erst im „richtigen“ Gebrauch des neuen Dienstes üben. Derzeit nutzen sie diesen als bloße Ergänzung ihrer klassischen Rekrutierungskanäle und reduzieren den Online-Dienst auf ein Instrument, um alte Inhalte über neue Kanäle zu verbreiten. Um das Potenzial von Twitter jedoch voll ausschöpfen zu können, müssen sich Personaler auf eine neue Medienlandschaft einstellen. Interaktivität ist dabei das Stichwort: Unternehmen müssen im virtuellen Raum aktiv werden – als Ergänzung zu heute schon fast „klassischen“ Maßnahmen wie der Karriereseite.

Twitter ist kein reines Rekrutierungstool. Jedoch kann es richtig verstanden und in eine übergeordnete Kommunikationsstrategie eingebettet einen großen Beitrag zur erfolgreichen Personalarbeit liefern. Personaler können den Dienst nutzen, um ihr Unternehmen aus einer neuen Warte zu präsentieren und bisher unerschlossene Kandidatenkreise zu adressieren. So verstanden ist der neue Dienst keine Revolution im HRM kann jedoch zu einer Evolution bestehender Praxen führen und einen Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten.

Wenn Sie mehr über das Potenzial des Twitterns wissen wollen, freuen wir uns auf Ihren Kontakt: com@kienbaum.de, Telefon +49 2261 703-1421.